Ein Tierschutztier zieht ein - was bedeutet das? 

Ein Tierschutztier zieht ein - was heißt das?

immer wieder werden wir gefragt, ob unsere Hunde schon stubenrein sind, welche Grundkommandos sie kennen, ob sie Auto fahren können, an der Leine gehen, ob sie alleine bleiben können, ob sie mit Katzen verträglich sind oder Jagdtrieb haben. Wir kennen unsere Hunde und beschreiben sie, so gut wie möglich, aber: Fast alle unsere Hunde befinden sich in Giurgiu, Rumänien, auf der DsN-Farm. Kaum einer von ihnen durfte bisher einFamilienleben kennenlernen, deshalb kennen die allermeisten von ihnen auch nicht das Familienleben und demzufolge auch nicht Autofahren, Leine gehen, waren noch nie alleine in einem Zuhause. Diese Fragen können wir daher nicht sicher beantworten. 
Aber mit den folgenden Tipps und Informationen möchten wir helfen, Ihre Entscheidung - für oder gegen ein Tier - zu festigen.

 

Um ein Verständnis dafür zu entwickeln, was unsere Schützlinge bisher in ihrem Leben kennengelernt und erlebt haben, ist es zunächst wichtig, ihre Lebensbe-dingungen zu kennen. Unsere Hunde sind durchweg ehemalige Notfälle.

Viele von ihnen haben wir aus dem Städtischen Tierheim der Stadt Giurgiu gerettet, wo sie ohne jeden Auslauf, ohne jede Zuwendung, oft sehr lange eingesperrt im Zwinger mit anderen Hunden festsaßen. 

 

Einige hatten vorher möglicherweise ein Zuhause, aber keins, das mit einem Zuhause, wie wir es kennen, vergleichbar ist. In Rumänien werden auch Hunde, die Besitzer haben, oft noch an der Kette gehalten, wenn sie Glück hatten, durften sie frei durch die Gegend streunern. Was sie nicht kennen, ist dass sich jemand mit ihnen beschäftigt oder gar mit ihnen gearbeitet, ihnen Kommandos beigebracht und ihnen das kleine Hunde-Einmaleins beigebracht hat. Die Bindung zum Tier und das Verständnis „Haustier“ ist in Rumänien flächendeckend noch ein ganz anderes. Viele unserer Schützlinge sind ehemalige Straßenhunde, die niemals eine Bindung zum Menschen hatten und erst mühsam das Vertrauen aufbauen und erlernen müssen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die meisten unserer Hunde kein Leben im Haus kennen. Sie sind in der Regel nicht stubenrein und können auch nicht an der Leine gehen, sie kennen keine Kommandos und viele noch nicht mal ihren Namen – es spricht sie nämlich keiner an. Auch auf der DsN-Farm können unsere Hunde die Stubenreinheit nicht erlernen, sie leben dort entweder im freien Rudel oder in Gehegen mit mehreren Artgenossen zusammen.

 

Wenn sie nach Deutschland kommen, ist das eine riesige Veränderung für sie. Sie haben bei Abreise, ohne zu wissen, wohin es geht, ihr sicheres Umfeld, ihre Hundekumpels und die Menschen, die sich um sie gekümmert haben, die ihnen gezeigt haben, dass Menschen liebevoll und umsorgend sein können, verlassen.

 

Hier angekommen, ist alles anders. Neue Menschen, keine bekannten Kumpels mehr, Leben im Haus. Das muss Hund dann erstmal begreifen und fassen können. Viele müssen erst lernen, dass wirklich sie gemeint sind, wenn sie angesprochen werden, ihren Namen als ihren Namen begreifen.

 

An der Leine laufen, Treppen steigen, im Haus schlafen, Auto fahren, Stadt, Verkehr, in der Wohnung alleine bleiben, über Laminat oder andere rutschige Flächen laufen usw. All das kennen unsere Hunde in der Regel nicht! Auch Kommandos wie „Sitz“, „Platz“, „Komm“ oder „Bleib“ verstehen sie zunächst nicht.

Was die allermeisten unserer rumänischen Schützlinge auszeichnet, ist jedoch ihre große Anpassungsfähigkeit – deshalb ist es meist überhaupt kein Problem für sie, sich an das neue, völlig fremde Umfeld anzupassen. Gerade die ausgewachsenen Tiere zeigen sich oft überraschend anpassungsbereit bemüht, alles richtig zu machen.

 

Begegnet man ihnen mit etwas Geduld und Sachverstand, lernen sie all diese Dinge in kürzester Zeit kennen und lieben. Man darf nur nicht zuviel auf einmal erwarten. Verständnis und Geduld sind hier das A und O.

 

Viele Adoptanten sind verwundert, wie schnell unsere Giurgiuaner sich anpassen und lernen, z. B. die Stubenreinheit klappt meist nach wenigen Tagen völlig problemlos, wenn wir Menschen uns richtig verhalten, dem Hund Zeit geben und mit Geduld und Konsequenz ab dem ersten Tag die Signale des Hundes richtig deuten und ihm die richtigen Signale senden. Manche sind von Anfang an stubenrein, andere brauchen ein paar Tage, aber dann klappts bestimmt!

 
Woher kommt der Hund oder die Katze?
Meistens kennen wir das Vorleben eines Tieres nicht, erst ab dem Zeitpunkt, als es in unsere Obhut kam. Viele von ihnen stammen aus dem Public Shelter, oft wurden sie vorher ausgesetzt, waren freie Straßenhunde, manche von ihnen waren auch an der Kette. Sie alle kamen dann in unsere Obhut auf die DsN-Farm, wo sie versorgt werden, tierärztlich untersucht und ggf. behandelt wurden. Sie kennen das Leben mit anderen Hunden (bzw. Katzen), sie kennen Menschen, aber nicht als liebevolle Familienmitglieder, sondern als Versorger, Futterbringer und „Putzpersonal“. 

Manche unserer Tiere befinden sich bereits in Deutschland auf einer Pflegestelle, dort haben sie natürlich dann schon die ersten Schritte ins Familienleben unternommen und kennen vieles schon. Die Pflegestelle kann dann entsprechend den Charakter und die Eigenheiten ihres Pflegetiers sehr gut beschreiben.
 
Fragen zur Gesundheit?
Der Hund bzw. die Katze hat bei der Ausreise alle nötigen Impfungen (Sechsfachimpfung) erhalten und wurde, gechipt, entfloht, entwurmt und dem Alter entsprechend kastriert.
 
Bei der Übergabe erhalten Sie einen gültigen EU-Heimtierausweis und das rumänische „Health book“, das jeder Hund in Rumänien bekommt (der EU-Pass wird erst kurz vor Ausreise ausgestellt).
 
Sollte uns bei einem Tier eine gesundheitliche Beeinträchtigung bekannt sein, werden wir Sie vorher darüber informieren. 
Natürlich kann es vorkommen, dass ein Tier nach der Ankunft wegen dem vorher durchgemachten Stress unsicher oder ängstlich ist, denn:
o Erst hatte es ein ihm bekanntes Umfeld 
o Dann kam es auf die DsN-Farm – also in eine neue Umgebung 
o Dort lebte es anschließend in einem Rudel
o Dann kam der Transport nach Deutschland 
o und schon wieder eine völlig veränderte Umgebung …
Das alles ist für ein Tier erstmal Stress. Oft ist anfangs die Verdauung auch etwas durcheinander, auch die Futterumstellung kann anfangs Darmbeschwerden hervorrufen. Bei hartnäckigen Fällen kann eine Reis/Hühnerfleisch-Diät über ein paar Tage hilfreich sein. Alle Hunde werden vor Ausreise nochmal entwurmt und auf Giardien getestet, bei positivem Befund natürlich auch entsprechend behandelt. Sie sollten Ihr Tier in jedem Fall nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ihrem Tierarzt vorstellen und untersuchen lassen.
 

Ist das Tier kastriert?

Alle Tiere werden von uns kastriert vermittelt. Nur Kitten, Welpen und Jungtiere können natürlich erst ab einem bestimmten Alter kastriert werden und reisen deshalb unkastriert aus. Wir können Sie nicht verpflichten, Ihr Tier später zu kastrieren, aber wir appellieren an Ihr Verantwortungsbewusstsein, dafür Sorge zu tragen, dass es nicht zu einer Trächtigkeit kommt. Denn ganz sicher möchten wir eines nicht – weitere Welpen verursachen!

(Deshalb sind wir auch vor Ort aktiv, mit Kastrationsaktionen vor Ort - Besitzer können für sie kostenlos - auf unsere Kosten - ihre Hunde zu uns bringen und sie werden kastriert - denn nur Kastration wird die Problematik der Straßenhunde dauerhaft lösen können). 
Mehr dazu auch hier: http://deutschlandsagtnein.org/projekte/kastrationen/hausundhofhunde/

Warum Vorkontrolle?

Der erste Schritt, wenn Sie sich für eins unserer Tiere interessieren, ist das Ausfüllen eines Fragebogens. Nachdem wir diesen von Ihnen erhalten haben, vereinbaren wir mit Ihnen einen persönlichen Termin, um Sie kennenzulernen.

 

Das ist die so genannte „Vorkontrolle“. Wir möchten sicher sein, dass unser Tier in gute Hände kommt. Nach dieser Vorkontrolle wird dann, wenn Sie und wir uns einig sind, dass Sie das richtige Zuhause für unser Tier bieten können, die Ausreise des Tiers vorbereitet und der Schutzvertrag geschlossen.

Schutzvertrag und Schutzgebühr

Warum wird ein Schutzvertrag geschlossen?


Der Schutzvertrag regelt die wesentlichen Punkte zur artgerechten Tierhaltung.

 

Sie verpflichten sich darin, das jeweilige Tier als Halter bei sich aufzunehmen und tierschutzgerecht zu versorgen, keinen Nachwuchs mit ihm zu produzieren und auch die Weitergabe oder gar der Verkauf des Tiers ist natürlich ausgeschlossen. Sollten Sie das Tier nicht mehr bei sich versorgen können, verpflichtet sich der Verein, es zurückzunehmen und ein anderes Zuhause zu suchen.

Eine Abgabe an Dritte ohne Wissen des Vereins ist ausgeschlossen!

 


Warum wird eine Schutzgebühr erhoben?


Die Schutzgebühr deckt in erster Linie die Kosten der Einreise des Tiers zu Ihnen. Dazu gehören die tierärztlichen Untersuchungen, der Mikrochip, den das Tier trägt, die Impfungen, Entwurmungen, die Ausreiseuntersuchung und natürlich der Transport. Bei erwachsenen Hunden auch die Kastration vor Ausreise. Diese Kosten werden durch die Schutzgebühr gedeckt. Haben wir ein Tier länger versorgt oder war es krank und brauchte besondere Pflege, sind die entstandenen Kosten für den Verein natürlcih weit höher als die Schutzgebühr. Trotzdem ist die Schutzgebühr für jeden Hund gleich – sollte etwas „übrig“ bleiben, hilft uns das bei der Versorgung der Tiere in unserer Obhut in Rumänien, die noch nicht ihr eigenes Zuhause gefunden haben oder nie finden werden, denn einige werden für immer bei uns bleiben. Außerdem wird mit der Schutzgebühr sichergestellt, dass eine profitable Weitergabe des Tieres durch den Adoptanten ausgeschlossen ist. Der Schutzgebühr wird vor, allerspätestens bei der Übergabe des Tieres fällig, ohne Schutzvertrag und Schutzgebühr wird kein Tier übergeben. Die Schutzgebühr können Sie am besten einige Tage vor der Ankunft Ihres Schützlings auf das Vereinskonto überweisen, natürlich erst, nachdem Sie von uns den Schutzvertrag erhalten haben.

Gibt es eine Garantie auf die Eigenschaften des Hundes?
Eine Garantie auf bestimmte Eigenschaften eines Tiers können wir nicht geben. Tiere sind Lebewesen und kein Gegenstand, den man bei Defekt an den Hersteller zur Reparatur zurückgeben kann oder Reparaturkosten erstattet werden. Es kann vorkommen, dass ein Tier sich in der neuen Umgebung erstmal etwas anders verhält als erwartet – bitte stellen Sie sich darauf ein, dass Sie ein Tier bei sich aufnehmen, das sich erst an Sie und das völlig neue Umfeld gewöhnen muss.

Wir beschreiben unsere Tiere nach bestem Wissen und Gewissen, und informieren Sie über alle stattgehabten und uns bekannten Erkrankungen und Besonderheiten. Trotzdem kann es natürlich vorkommen, dass ein Tier auch nach der Ankunft Krankheitszeichen zeigt, bitte gehen Sie dann umgehend zum Tierarzt und erwähnen Sie dort auch unbedingt, woher Ihr Tier stammt – das kann im Einzelfall entscheidend für die Behandlung sein. Unsere Tiere werden vor Ausreise auf die so genannten Mittelmeerkrankheiten und auch auf Giardien getestet, Sie sollten diesen Test allerdings nach ein paar Monaten wiederholen, da sich manche Erreger erst nach Monaten zeigen und nachweisen lassen. Tiere, die jünger als 12 Monate sind, testen wir nicht auf die Mittelmeerkrankheiten, denn der Test ist dann noch nicht anwendbar bzw. das Ergebnis nicht aussagekräftig. Bitte machen Sie sich bewusst, dass der Unterhalt für ein Tier Geld kostet und unter Umständen hohe Tierarztkosten verursachen kann, egal wie lange der Hund bei Ihnen leben wird. Adoptieren Sie keinen Hund, wenn Sie sich dessen nicht bewusst und nicht dazu bereit sind.

Was sollte ich noch bedenken? 
Unsere Tiere sind fast alle Mischlinge, und daher können wir zu rassetypischen Verhaltensmustern nur sehr eingeschränkt Informationen geben. Was Sie in jedem Falle jedoch tun sollten: Informieren Sie ihren Vermieter und Ihre Nachbarn, dass Sie planen, sich einen Hund anzuschaffen, und informieren Sie sich auch über das Landeshundegesetz in Ihrem Bundesland. Ein Hund muss bei der Stadt angemeldet werden und Sie sind verpflichtet, Hundesteuer zu bezahlen, des Weiteren sollten Sie (in manchen Bundesländern ist es sogar Pflicht) eine Hundehaftpflichtversicherung abschließen.

Was ist, wenn das Tier ganz anders ist als beschrieben oder gedacht?


Sie müssen sich immer bewusst sein, dass es sich bei der Vermittlung um ein “Blind Date” handelt, was die Angelegenheit ja auch angenehm spannend macht.

Wir teilen Ihnen nach bestem Wissen und Gewissen die Charaktereigenschaften des Tieres mit. Jedoch können nicht alle Eventualitäten abgeklärt werden.

 

Es kann sein, dass Ihr Hund als ausgeglichen und lustig beschrieben wird, hier angekommen ist er aber erst mal etwas ängstlich. Immerhin wurde er aus seiner gewohnten Umgebung gerissen. Auch optisch könnte das Tier etwas anders aussehen, als auf den Fotos. Nun ist es an Ihnen, dass Ihr neues Familienmitglied mit der Zeit Vertrauen entwickelt. Geben Sie dem Hund Zeit zur Eingewöhnung. Wir stehen Ihnen selbstverständlich auch nach der Adoption mit Rat und Tat zur Seite, sollten Probleme aufkommen. Wenn sich zeigen sollte – was wir nicht hoffen und was dank guter und sorgfältiger Auswahl von Hund und Halter sehr selten vorkommt, dass es einfach nicht geht und Sie das Tier abgeben müssen, nehmen wir den Hund natürlich zurück bzw. vermitteln ihn weiter. Die Schutzgebühr wird in diesem Fall jedoch nicht erstattet. Was wir nur immer wieder betonen können: Bitte melden Sie sich bei Problemen bei uns, setzen Sie sich mit uns in Verbindung, wir sind für unsere Tiere (und deren Adoptanten) IMMER da.

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