Lübbis/Kessys Geschichte

Es war ein Tag wie jeder andere im Shelter der Stadt Giurgiu. Es war der 18.09.2015, der Tag an dem die Shelter Crew wieder gelandet ist. Der Tag, der mein Leben verändern sollte. Die Crew hatte ein neues Mitglied mitgebracht. Eine junge Frau, die das erste Mal bei einem Einsatz vor Ort in Rumänien war. Sie hatte eine Woche zuvor ihre geliebte Hündin einschläfern lassen müssen und war fest entschlossen keinen neuen Hund zu sich zu holen, weil es noch viel zu früh war.

Als die Crew hier bei uns im Shelter war und anfing zu arbeiten, liefen sie alle mehrere Male an meinem Zwinger vorbei, so wie immer eigentlich. Doch dieses Mal war es anders. Die „Neue“ lief einmal vorbei und blieb sofort stehen und schaute bei uns in den Zwinger rein. Sie schaute mich namenlosen Hund an und fing an zu weinen. Die Tränen liefen über ihre Wangen und ihre Augen waren ununterbrochen auf mich gerichtet. Sie kniete vor unserem Zwinger, aber plötzlich stand sie auf und öffnete die Tür. Sie kam direkt auf mich zu und fing an mich zu streicheln. Ich spürte das erste Mal in meinem Leben ein schönes Kribbeln im Bauch. Es fühlte sich so toll an und ich wollte nicht, dass sie jemals wieder aufhört mich zu streicheln. Ich bettelte sie an, dass sie weitermachen sollte! Keine 10 Minuten später war ich nicht mehr der namenlose Hund aus Zwinger 28. Nein, ich war ab sofort die Hündin Lübbi und ich hatte jemanden gefunden, dem meine Gesundheit, mein Leben was bedeutete. Ich frage mich immer wieder warum gerade ich? Warum hat sie mich ausgesucht und meine Patenschaft übernommen?

Sie kam später noch mal zu mir rein. Wir kuschelten noch mal intensiv und sie flüsterte mir zu: „Du bist ein ganz besonderer Hund. Es ist Schicksal, dass ich dich gefunden habe. Du siehst meiner geliebten verstorbenen Hündin sehr, sehr ähnlich!“ Sie war wieder sehr am Weinen und versprach mir, dass sie mich hier rausholt, in ein neues tolles Leben. In ein Leben, das jeder Hund verdient hat. Aber was hat das jetzt für mich zu bedeuten? Was soll das für ein anderes Leben sein?

Die nächsten Tage war sie noch paar Mal bei mir im Zwinger und wir kuschelten immer sehr viel. Doch dann kam sie nicht mehr, die Shelter Crew war wieder abgereist und das alte Leben lief wie zuvor weiter. Es hatte sich nichts geändert. Es vergingen endlose Tage, Wochen und Monate und nichts passierte. Ich saß immer noch in Zwinger 28. War das Versprechen nur eine Lüge?

Doch dann im Februar sah ich sie wieder! Diese junge unbekannte Frau, die mir ein besseres Leben verspochen hat. Vielleicht komme ich dieses Mal mit? Aber leider wurde ich zum zweiten Mal enttäuscht. Sie nahm einen anderen Hund mit, weil sie der Meinung war, dass ich ihrer verstorbenen Hündin zu ähnlich sehe. Sie hatte große Angst, dass sie mich ständig mit der anderen Hündin vergleicht und mir somit einfach nicht gerecht werden kann.

Es vergingen wieder Monate ohne dass irgendwas passierte. Doch eines Tages holte mich Eugenia aus dem Zwinger und brachte mich zu einem ganz anderen Ort. Die Leute nennen diesen Ort „Die Farm“. Dort können die Hunde frei im Rudel laufen. Es ist ein Ort der Freiheit und der Liebe. Was ich nicht wusste ist, dass diese neue Frau ständig an mich gedacht hat. Ich war immer in ihren Gedanken und ich ließ sie nicht mehr los. Sie hat mich und ihr Versprechen nicht vergessen und hat seit unserem ersten Treffen alles versucht, mich da raus zu holen oder ein Zuhause für mich zu finden. Sie hat um mich jeden Tag gekämpft und ihr Bestes gegeben. Ich wurde noch operiert und geimpft. Ich wusste überhaupt nicht was los ist und wo ich jetzt hinkomme. Es ist furchtbar nicht zu wissen was mit einem passiert. Die Shelter Crew nahm mich mit in so einer Box und es vergingen etliche Stunden, in denen ich im Dunklen saß und ich wusste nicht was da auf mich zukommt. Doch dann sah ich wieder Tageslicht und die Leute der Shelter Crew öffneten die Box und nahmen ich heraus. Ich war an einem fremden Ort, die Luft roch anders und die Geräusche waren mir sehr fremd. Die Leute standen da und sahen sich ständig um. Sie warteten wohl auf jemanden. Auf einmal kam diese Frau auf uns zugelaufen, die Frau, die mir das Versprechen gegeben hat und fiel weinend vor mir auf die Knie. Sie streichelte und umarmte mich und sagte mir: „Jetzt hast du es geschafft!“. Ich wusste im ersten Moment nicht ob ich ihr das glauben sollte. Ich kam wieder in die Box und wir fuhren ein paar Stunden mit dem Auto. Irgendwann hielten wir an und sie brachte mich in ein Haus. Hier gab es so viele Sachen, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte. Das Haus hatte sogar einen Garten mit richtigem Gras! In diesem Moment wurde mir bewusst, dass sie ihr Versprechen doch gehalten hatte. Sie hat mich in ein neues Leben geholt! Es hat zwar fast ein Jahr gedauert, in dem ich immer und immer wieder an diesem Versprechen zweifelte, aber mein Traum ist wahr geworden. Sie schenkte mir ein schönes neues Leben, ein Leben in Freiheit, ein Leben ohne Angst. Inzwischen bin ich schon ein richtiger Familienhund geworden. Ich werde zum ersten Mal in meinem Leben geliebt. Ich habe zwar immer noch ein bisschen Angst, da ich noch nicht alles kenne aber jeden Tag verliere ich ein Stück dieser Angst dank meiner neuen Familie. Das alte Leben kann ich jetzt endlich hinter mir lassen.

Mein alter Name Lübbi ist Vergangenheit. Ich bin jetzt Kessy und bin endlich Zuhause.

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