Woher kommen Rumäniens Straßenhunde?

- Ein kleiner Ausflug in die Geschichte -

1965-1989 Der Kommunismus und seine Spuren

 

Auch wenn Rumänien mittlerweile Mitglied der EU ist, handelt es sich um ein Land, das viele Jahre durch den Kommunismus geprägt wurde. Am 21.08.1965 wurde die Sozialistische Republik Rumänien ausgerufen. Unter der Führung von Nicolae Ceaușescu gelangte somit die „Rumänische Kommunistische Partei“ an die Macht. Ceausescu veranlasste radikale Maßnahmen, die das Leben der rumänischen Bevölkerung einschneidend veränderten. Neben einem Abtreibungsverbot zur Steigerung der Bevölkerungszahl wurde die Landbevölkerung in die Städte zwangsumgesiedelt. Finanziert durch ausländische Kredite, sollte hierdurch das Land zwangsindustrialisiert werden. Menschen, die ihr ganzes Leben in der Landwirtschaft verbracht haben, mussten in hastig hochgezogene Plattenbauten ziehen. Brutal wurde ihnen jeder Besitz und jegliche Selbstbestimmung genommen. Tiere waren fortan in den meisten Wohnungen komplett verboten. Die erste große Aussetzungswelle folgte. Tausende Haus- und Hoftiere mussten ihrem Schicksal überlassen werden. Viele starben, die Überlebenden pflanzten sich ungehindert fort. Trotz kurzfristig ansteigender Produktivitätszahlen führten diese grausamen Maßnahmen nie zum Erfolg, sondern stürzten das Land in den späten 70ern in eine Versorgungskrise. Durch mangelnde Bonität und den Komplettzusammenbruch der Wirtschaft musste das Land schließlich selbst Grundversorgungsgüter exportieren. Geld für Import fehlte, ein ganzes Volk hungerte. Erst 1989 kam es zur Revolution und Ceausescu wurde zum Tode verurteilt. Eine lange Zeit, in der weder Menschen noch Tiere Rechte besaßen, hat ihre Spuren hinterlassen. Im Schatten der enormen wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die es zu bewältigen galt, wuchs die Zahl der Straßenhunde explosionsartig, ohne dass jemand große Notiz davon nahm.

 

1989 –2013 Revolution und Ignoranz

 

Heute ist das Straßenhundeproblem ausgeufert, die Zahlen sind explodiert. Von den Behörden ignoriert, zentralisierten sich in den letzten Jahren Wut, Trauer, Armut und Hass einiger Rumänen auf die Straßenhunde. Im September 2013 fachte ein Vorfall die Wut vieler Rumänen auf ihre Straßenhunde katastrophal an – ein kleiner Junge in Bukarest, so hieß es, starb nach einer Attacke von Straßenhunden. Als Reaktion auf dieses Unglück wurde in Rumänien flugs ein Gesetz erlassen, das es erlaubte, Straßenhunde einzufangen und nach 14-tägiger Frist zu töten. Heute ist klar, dass dieser Junge gar nicht durch Straßenhunde starb, sondern Opfer von Wachhunden wurde. Es wird sogar spekuliert, ob Ionut, so hieß der Junge, nicht schon tot war, als die Wachhunde über ihn herfielen. Die Meldung, dass nicht die Straßenhunde die Schuldigen sind, wurde jedoch lange verheimlicht. Zu lange für tausende Hunde, die von der ASPA (Behörde für die Aufsicht und den Schutz der Tiere) gejagt, gefangen und teilweise auf schrecklichste Weise getötet wurden. Hunderte Videos von brutalen Hetzjagden auf wehrlose Streunerhunde überfluteten Facebook, Twitter und YouTube. Obwohl die Massentötung von Straßenhunden mittlerweile wieder verboten wurde, kündigte ASPA Chef Bãncescu an, dass es genug Schlupfwinkel im Gesetz gebe, um mit dem Töten ungehindert fortzufahren. Doch egal wie viele Hunde getötet werden, es rücken stetig neue Hunde nach. Leider bietet das Fangen und Töten von Straßenhunden Menschen ohne Gewissen, Moral und Hemmungen ein lukratives Geschäft. Laut Aussage der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist das Problem der Straßenhunde-Überpopulation nicht dadurch zu lösen, die Hunde zu töten oder wegzusperren. Dass diese Maßnahmen völlig sinnlos sind, hat sich auf der ganzen Welt erwiesen. Ist ein Hunderudel "entfernt", rücken sofort andere Hunde in das frei gewordene Revier, ihre ökologische Nische, nach. Die einzige Möglichkeit, der Lage Herr zu werden, besteht darin, großangelegte Kastrationsprojekte durchzuführen und das Problem direkt an der Wurzel zu packen.

 

Heute – Zukunft? Kastration von Haus- und Hofhunden

 

Auch heute noch lebt ein Großteil der rumänischen Bevölkerung  in absoluter Armut. Viele tierliebe Rumänen halten Haus- und Hofhunde. Fast alle sind unkastriert und werden laufend von anderen freilaufenden Haus- und Hofhunden oder Streunern gedeckt. Die jährlich entstehenden Welpen werden, sofern sie nicht sofort getötet werden, ausgesetzt und bilden so die neue Generation Straßenhunde. Unser Schaubild zeigt, wie schnell aus einem Hundepaar mehrere tausend Hunde entstehen.

Hinzu kommt die Tatsache, dass ein männlicher Straßenhund in den seltensten Fällen älter als zwei Jahre wird. Diese zwei Jahre sind geprägt von Leid und Qual. Sie werden überfahren, vergiftet, erschlagen, verbrannt, verhungern oder erkranken. Eine endlose Schleife stetigen Leids. Seit 2015 hat sich die Lage für rumänische Tierfreunde nun zusätzlich erschwert. Seit dem 01.01.2015 müssen alle Hunde in Privatbesitz kastriert, gechipt und gegen Tollwut geimpft sein. Ausnahmen bestehen nur für ausgewiesene Rassehunde. Die Kosten einer Kastration sind für einen durchschnittlichen rumänischen Haushalt jedoch unerschwinglich. Trotzdem drohen hohe Strafen bei Nichteinhaltung. Wieder werden die Rumänen bestraft, die ihre Hunde lieben. Wir möchten genau diesen Menschen helfen.

Mit Ihren Spenden konnten wir mittlerweile über 1200 Haus- und Hofhunde kastrieren. Menschen jeden Alters machen sich auf den teilweise langen (Fuß)Weg zu unseren mobilen Tierkliniken, um ihre Hunde und Katzen kastrieren zu lassen. Ihr Vertrauen und ihre Hoffnung in uns und dieses Projekt sind mittlerweile so groß geworden, dass sie uns ihre Liebsten tatsächlich für eine Operation anvertrauen.

Die positive Resonanz zeigt uns, sehr viele Rumänen wissen genau, dass die Kastration ihrer Tiere der einzige Weg ist, um tausendfaches Tierleid langfristig, konsequent und human zu beenden. Diese Menschen können es sich einfach nicht leisten und brauchen Hilfe. Wir können die traurige und brutale Geschichte der Straßenhunde Rumäniens nicht ungeschehen machen, aber wir können gemeinsam eine neue Zukunft schreiben. Rumänische und Deutsche Tierschützer Schulter an Schulter - Hand in Hand.

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